Christian Feuerherds Rede zu 25 Jahren KlimaschutzPartner-Preis

 

Zum 25. Jubiläum des KlimaschutzPartner-Preises hat BEW-CEO Christian Feuerherd das Grußwort gehalten. In seiner Rede erklärt der Fernwärme-Chef, was Klimaschutz und Transformation mit Haltung zu tun haben.

 

"25 Jahre KlimaschutzPartner-Preis – das ist nicht nur ein Jubiläum. Das ist ein Stück Berliner Transformationsgeschichte. 

Seit einem Vierteljahrhundert zeichnet dieser Preis Menschen, Unternehmen und Institutionen aus, die Klimaschutz nicht nur fordern, sondern umsetzen. Nicht als Idee. Nicht als Absicht. Sondern als konkrete Veränderung in dieser Stadt. Und genau darin liegt seine besondere Bedeutung.

 

Klimaschutz als Konsens 

Wenn wir auf die letzten 15 Jahre zurückblicken, dann war Klimaschutz in Deutschland und auch in Berlin lange Zeit ein gesellschaftlicher Konsens. Er war politisches Ziel, wirtschaftliche Chance, gesellschaftliche Erwartung. Unternehmen haben Strategien entwickelt, Städte Programme aufgelegt, Bürgerinnen und Bürger Veränderungen mitgetragen. 
 
Haltung zu zeigen war wichtig – aber es war auch vergleichsweise einfach. Man stand selten allein. Klimaschutz war Teil eines gemeinsamen Fortschrittsnarrativs.

Heute erleben wir eine andere Realität. Klimaschutz steht stärker unter Druck. Nicht, weil seine Notwendigkeit geringer geworden wäre – im Gegenteil. Sondern weil die Rahmenbedingungen schwieriger geworden sind. Energiepreise. Geopolitische Krisen. Wirtschaftliche Unsicherheit. Soziale Fragen. Investitionen in historischer Größenordnung.

 

KlimaschutzPartner-Preis als Kompass

Transformation ist nicht mehr nur ein Ziel – sie ist eine Zumutung geworden. Für Haushalte. Für Unternehmen. Für Städte. Und damit verändert sich auch die Rolle von Haltung. Haltung ist heute nicht mehr der gesellschaftliche Mainstream. Haltung ist wieder eine aktive Entscheidung.

Eine Entscheidung, weiterzugehen, obwohl Gegenwind da ist. Eine Entscheidung, Verantwortung zu übernehmen, obwohl es kompliziert wird. Eine Entscheidung, langfristig zu handeln, obwohl kurzfristige Interessen lauter sind.

Klimaschutz droht nicht zu scheitern, weil wir die Ziele nicht kennen. Er droht zu scheitern, wenn wir den Mut verlieren, Maßnahmen anzugehen, um diese Ziele zu erreichen. Genau deshalb bekommt dieser Preis heute eine neue Bedeutung. Früher war er vor allem eine Auszeichnung für Pionierinnen und Pioniere. Heute ist er ein Kompass. Er zeigt: Transformation passiert. Sie passiert nicht abstrakt. Sie passiert durch Menschen, durch Entscheidungen, durch Investitionen, durch Verantwortung. In Unternehmen. In Verwaltungen. In Quartieren. In Infrastrukturprojekten.

 

Jahrhundertaufgabe Transformation

Klimaschutz entscheidet sich nicht in Sonntagsreden. Er entscheidet sich in Betrieben, in Heizwerken, auf Baustellen, in Planungsbüros, in Produktionshallen – und manchmal auch in konfliktreichen Entscheidungen.

Ich erlebe das täglich in meiner eigenen Branche. Die Transformation der Wärmeversorgung einer Stadt wie Berlin ist eine Jahrhundertaufgabe, die wir in wenigen Jahren umsetzen müssen und werden. Sie bedeutet Milliardeninvestitionen, neue Technologien, neue Infrastrukturen – und gleichzeitig die Verantwortung, dass Wärme für die Menschen bezahlbar bleibt.

Sie verlangt Geschwindigkeit – und Verlässlichkeit. Innovation – und soziale Balance. Mut – und Augenmaß. Und genau darin zeigt sich Haltung heute ganz konkret: nicht im Anspruch, alles sofort perfekt zu machen, sondern im Anpacken und Durchhalten auf dem Weg.

 

Klimaschutz als Modernisierung der Stadt

Die Preisträgerinnen und Preisträger und auch alle Bewerberinnen und Bewerber des KlimaschutzPartner-Wettbewerbs der letzten 25 Jahre stehen genau dafür. Sie zeigen, dass Klimaschutz nicht aus Programmen entsteht, sondern aus Umsetzung. Nicht aus Einigkeit, sondern aus Verantwortung. Nicht aus Idealismus allein, sondern aus Kompetenz, Ausdauer, Innovation und unternehmerischem Mut. Sie zeigen, dass Transformation möglich ist – auch unter schwierigen Bedingungen. Und dass Fortschritt nicht laut sein muss, um wirksam zu sein. 
 
Berlin hat in den letzten 25 Jahren viel erreicht. Aber die entscheidende Wegstrecke liegt vor uns. Die kommenden Jahre werden nicht darüber entscheiden, ob wir Klimaziele formulieren können. Sie werden darüber entscheiden, ob wir sie wirklich umsetzen. Ob wir investieren, wenn es teuer ist. Ob wir erklären, wenn es kompliziert wird. Ob wir zusammenhalten, wenn Interessen auseinandergehen. Und ob wir Klimaschutz als das begreifen, was er ist: keine ökologische Zusatzaufgabe – sondern eine Modernisierung unserer Stadt. Eine Modernisierung unserer Energieversorgung, unserer Gebäude, unserer Mobilität,  Industrie und Infrastruktur.

 

Sozial gerechte Transformation

Haltung bedeutet heute nicht, sich auf die richtige Seite zu stellen. Haltung bedeutet, Verantwortung zu tragen. Verantwortung für Investitionen, die sich erst in Jahrzehnten auszahlen. Verantwortung für Entscheidungen, die nicht allen sofort gefallen. Verantwortung dafür, dass Transformation sozial gerecht bleibt. Denn nur dann bleibt sie gesellschaftlich tragfähig. 
 
Der KlimaschutzPartnerpreis erinnert uns daran, dass Veränderung nicht von allein passiert. Sie braucht Menschen, die anfangen. Organisationen, die durchhalten. Und politische Rahmenbedingungen, die Orientierung geben. Und sie braucht Vorbilder. Menschen: Unternehmen, Selbstständige, Bürger, öffentlichen Einrichtungen, die zeigen: Es geht. Es funktioniert. Es lohnt sich. 
 
Wenn Klimaschutz unter Druck gerät, zeigt sich, wer ihn wirklich trägt. Nicht in Zeiten des Konsenses. Sondern in Zeiten der Unsicherheit. Haltung bedeutet dann, weiterzugehen. Nicht schneller als alle anderen – aber verlässlich. Nicht lauter – aber konsequent. Nicht perfekt – aber entschlossen. 
 
Alle eingereichten Projekte des Klimaschutzpartner-Wettbewerbs tun genau das. Und deshalb ist dieser Preis heute vielleicht wichtiger als je zuvor.

Herzlichen Glückwunsch an die 13 KlimaSchutzPartner Berlin! Und herzlichen Dank an alle, die seit 25 Jahren dazu beitragen, dass Klimaschutz in Berlin nicht nur ein Ziel bleibt – sondern Realität wird. Vielen Dank!"