120 Megawatt am Heizkraftwerk Berlin-Mitte: BEW, 50Hertz und Stromnetz Berlin geben Startschuss für Bau einer der größten Power-to-Heat-Anlagen Europas

Pressemitteilung  •  04.05.2026
 

Aus Wind und Sonne wird Wärme ● Nutzen statt Abregeln: mehr erneuerbare Wärme für Berlin ● Wärmewende im laufenden Betrieb ● 30.000 Haushalte bekommen Wärme aus neuer Anlage ● Inbetriebnahme bis Ende 2028

 

Die BEW Berliner Energie und Wärme, der Strom-Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz und Stromnetz Berlin bringen gemeinsam den Bau einer Power-to-Heat-Anlage (PtH-Anlage) am Heizkraftwerk (HKW) Berlin-Mitte mit 120 Megawatt Leistung auf den Weg. Sie wandelt Strom aus Wind- und Solaranlagen bei hoher Netz-Einspeisung und damit drohenden Stromnetzengpässen im Nordosten Deutschlands innerhalb weniger Minuten in Fernwärme für das Berliner Fernwärmenetz um. Die BEW übernimmt den Bau, 50Hertz maßgeblich die Finanzierung. Die Inbetriebnahme ist bis Ende 2028 geplant.
 

Nutzen statt Abregeln

Die Anlage wird 50Hertz im sogenannten Engpassmanagement einsetzen, wenn im Osten Deutschlands mehr Strom aus erneuerbaren Energien produziert wird, als von Stromverbraucher:innen genutzt werden kann. Anstatt Windkraft- oder Photovoltaikanlagen dann abzuregeln, kann die neue PtH-Anlage Strom aufnehmen und diesen in das Berliner Fernwärmenetz einspeisen. Das hat mehrere Vorteile: Der Einsatz fossiler Brennstoffe und CO2-Emissionen werden reduziert und Kund:innen werden zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie versorgt. 
 

Erneuerbare Wärme für Berlin

Allein in den ersten fünf Betriebsjahren spart die PtH-Anlage durch den geringeren Gaseinsatz des Heizkraftwerkes in Berlin-Mitte und den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien jährlich rund 76.000 Tonnen CO2 ein. Perspektivisch kann die Anlage bei vollem Betrieb im Winter über 30.000 durchschnittliche Haushalte mit Fernwärme versorgen und im Sommer ausreichend Warmwasser für rund 360.000 Haushalte bereitstellen. Auf dem neu zu errichtenden Gebäude ist zudem ein Retentionsdach in Kombination mit einer Solaranlage vorgesehen. So wird die Dachfläche doppelt genutzt: zur Entlastung der Kanalisation und zur Erzeugung von erneuerbarem Strom.

50Hertz finanziert den Bau der PtH-Anlage mit bis zu 75 Millionen Euro. Nach fünf Betriebsjahren haben sich die Investitionen amortisiert. Bauherr und Betreiber der Anlage ist die BEW, 50Hertz erhält im Rahmen eines gemeinsamen Redispatch-Vertrages über einen Zeitraum von fünf Jahren vollen Zugriff auf die Steuerung. Der Netzanschluss erfolgt über das Hochspannungsnetz von Stromnetz Berlin.

Dr. Severin Fischer, Staatssekretär für Wirtschaft, Energie und Betriebe: „Wir machen Berlin klimaneutral. Leuchtturm-Projekte wie die neue Power-to-Heat-Anlage unseres landeseigenen Fernwärmeversorgers BEW am Heizkraftwerk Berlin-Mitte zeigen, wie es gelingt: im intelligenten Zusammenspiel von Strom- und Wärmeversorgungssystemen. Indem wir erneuerbaren Strom effizient nutzen, statt ihn abzuregeln, stärken wir nicht nur unsere Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit von unberechenbaren Preisentwicklungen auf den internationalen Energiemärkten, sondern treiben gleichzeitig den Klimaschutz und die Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung voran.“

Dr. Kerstin Busch, Geschäftsführerin Technik der BEW: „Mit der Power-to-Heat-Anlage am HKW Mitte wird der Strom aus Wind- und Solaranlagen direkt für rund 30.000 Fernwärmekund:innen nutzbar und hilft die CO2-Emissionen zu senken. So setzen wir die Wärmewende in Berlin im laufenden Betrieb um – auf dem Weg zur klimaneutralen Fernwärme bis 2045.“

Dr. Dirk Biermann, Chief Operations Officer (COO) von 50Hertz: „Für ein Stromsystem mit immer mehr Wind- und Solarenergie brauchen wir flexible Verbraucher, die kurzfristig Leistung aufnehmen, wenn Strom im Überfluss vorhanden ist. Power-to-Heat am HKW Mitte ist genauso ein Baustein: Er hilft unserer Systemführung, Netzengpässe zu entschärfen und macht erneuerbaren Strom dort nutzbar, wo er gebraucht wird – für die Wärmeversorgung der Hauptstadt.“

Bernhard Büllmann, Geschäftsführer Personal und Finanzen bei der Stromnetz Berlin GmbH: „Wir werden den bestehenden Netzanschluss für den Standort Mitte nun so umrüsten, dass er künftig auch große Mengen erneuerbaren Stroms für die neue Power-to-Heat-Anlage bereitstellen kann. Wir freuen uns sehr, so bei der Dekarbonisierung der Fernwärme mitwirken zu können.“
 

Das steckt drin

Das Vorhaben umfasst den Neubau eines Gebäudes für die Anlagentechnik, drei Elektrodenkessel mit jeweils 40 Megawatt thermischer Leistung, zwei Netztransformatoren (110/22 Kilovolt) sowie eine Schaltanlage. Ergänzend erneuert die BEW die bestehende Fernwärmepumpstation zur Erhöhung der hydraulischen Kapazitäten im Fernwärmenetz. Perspektivisch ist am Standort Mitte außerdem eine Flusswasserwärmepumpe geplant. Die Power-to-Heat-Anlage und die Pumpstation sollen bis Ende 2028 in Betrieb gehen.

Die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung ist ein zentraler Hebel für die Erreichung der Berliner Klimaziele bis 2045. Der Umbau der Infrastruktur erfolgt dabei im laufenden Betrieb – ohne die Wärmeversorgung zu unterbrechen. Diese neue Anlage ist ein konkreter Schritt auf diesem Weg.