Tiefe Geothermie: Wärme aus über 1.000 Metern Tiefe

Die tiefe Geothermie ist eine erneuerbare Wärmequelle, die langfristig dazu beitragen kann, fossile Brennstoffe im Berliner Fernwärmesystem schrittweise zu ersetzen. Sie liefert kontinuierlich nutzbare Wärme, da die Temperatur im geologischen Untergrund weitgehend unabhängig von Tageszeit und Wetterbedingungen ist. Nach heutigem Stand kann die tiefe Geothermie perspektivisch bis zu 15 Prozent unserer Fernwärmeerzeugung decken.
 

Wie funktioniert tiefe Geothermie?

Tiefe Geothermie nutzt die im Erdinneren gespeicherte Wärme. In Berlin befinden sich relevante geologische Schichten in Tiefen zwischen 1.000 und über 4.000 Metern. Für die Nutzung kommen Systeme mit Förder  und Rückführbohrung zum Einsatz. Dabei wird über eine Förderbohrung heißes Tiefenwasser aus dem geothermischen Reservoir an die Oberfläche gefördert. Die darin enthaltene thermische Energie wird über Wärmetauscher in das Fernwärmesystem eingespeist. Anschließend wird das abgekühlte Wasser über eine Injektionsbohrung wieder in dieselbe Gesteinsschicht zurückgeführt. Das System ist ein geschlossener Kreislauf: Dem Thermalwasser wird die Wärme entzogen, das Wasser selbst verbleibt im Untergrund.
 

Warum ist tiefe Geothermie wichtig für Berlin?

Berlin verfolgt das Ziel, die Fernwärme schrittweise aus erneuerbare Energiequellen und unvermeidbarer Abwärme zu erzeugen. Tiefe Geothermie kann hierfür ein zentraler Baustein werden, da sie:
 

  • erneuerbare, lokal verfügbare Wärme bereitstellt

  • sich als grundlastfähiger Baustein der Wärmeversorgung eignet,

  • sich sinnvoll mit Großwärmepumpen und weiteren Technologien kombinieren lässt

  • weitgehend unabhängig von fossilen Brennstoffpreisen ist
     

Aktuelle geologische Erkenntnisse zeigen, dass vor allem der Ostteil Berlins geeignete Potenziale für die Tiefengeothermie aufweist. Daher werden dort erste Projekte vorbereitet.
 

Wie erkundet Berlin den Untergrund?

Seit 2023 läuft eine umfassende Explorationsphase, um geeignete Standorte für tiefe Geothermie zu identifizieren. Zum Umfang der Untersuchungen gehören 2D und 3D seismische Untersuchungen sowie die Umsetzung von Explorationsbohrungen, um Proben aus den Gesteinen zu gewinnen und sowohl Temperaturen als auch Durchlässigkeiten zu testen. Diese Untersuchungen versetzen uns in die Lage die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten zu bewerten. Erst die Resultate dieser Untersuchungen zeigen, ob ein Standort technisch geeignet ist und wirtschaftlich betrieben werden kann.
 

Langfristige Bedeutung für die BEW

Wenn die geologischen Erwartungen bestätigt werden, können in den kommenden Jahren  mehrere geothermische Anlagen in Betrieb gehen. Bis 2035 könnte die tiefe Geothermie so einen Anteil bis circa fünf Prozent an unserer Fernwärmeerzeugung ausmachen, ab 2045 sogar – je nach Grad der Erschließung – bis zu 15 Prozent.

Tiefe Geothermie kann damit zu einem wichtigen Baustein eines diversifizierten, lokalen und erneuerbaren Erzeugungsmixes werden und damit die Versorgungssicherheit im Berliner Fernwärmesystem stärken.