100 Jahre Klingenberg –
100 Jahre Stadt im Wandel

 

Seit nunmehr einem Jahrhundert gestaltet der Standort Klingenberg die Berliner Energieversorgung mit.

 

Was 1925 als Großkraftwerksprojekt in Rummelsburg begann und später zum Kraftwerk Klingenberg wurde, ist heute als Heizkraftwerk (HKW) Klingenberg ein zentraler Erzeugungsstandort im Fernwärmesystem der BEW.

 

Zum 100-jährigen Jubiläum der Inbetriebnahme blicken wir auf die Entwicklung des heutigen HKW Klingenberg zurück. Wir zeigen, wie sich aus einem Kraftwerk zur Stromerzeugung das heutige Heizkraftwerk entwickelt hat und geben einen Ausblick, wie sich dieser Wandel fortsetzt.

Meilensteine der 100-jährigen Entwicklung

Die Geschichte des HKW Klingenberg ist geprägt von technischem Fortschritt, aber auch von historischen Einflüssen sowie gesellschaftlichen Entwicklungen. Die nachfolgenden Bildstrecken zeigen ausgewählte Meilensteine aus 100 Jahren Standortgeschichte und geben einen Ausblick auf die kommenden Jahre.

1925 bis 1987

1925 Erster Spatenstich

Am 15. September 1925 begann der Bau des Großkraftwerks Rummelsburg.

1926 Erste Einspeisung

Am 19. Dezember 1926 speiste das Werk erstmals Strom ins Berliner Netz ein, noch bevor es offiziell fertig war, um die winterliche Spitzenlast zu decken.

1927 Umbenennung und Fertigstellung

Fünf Jahre nach dem Tod Georg Klingenbergs, der das Kraftwerk konzipiert hatte, wurde es nach ihm benannt. Mit der Fertigstellung im gleichen Jahr war Klingenberg Europas modernstes kohlenstaubbefeuertes Kraftwerk.

1933 bis 1945 Ort des Unrechts

In der Zeit des Nationalsozialismus und den Kriegsjahren war das Kraftwerk zentraler Bestandteil der Berliner Stromversorgung und damit auch der Kriegswirtschaft.

Zwischen 1942 und 1945 arbeiteten auf dem Gelände zeitweise über einhundert ausländische Zwangsarbeiter.

Im April 1945, kurz vor Kriegsende, war für das Werk die Sprengung vorgesehen. Sie konnte jedoch in letzter Minute verhindert werden.

1962 bis 1987 Schornsteine, Kessel und Kraft-Wärme-Kopplung

Ab 1962 begann mit dem Bau zwei neuer Stahlbetonschornsteine die Umstellung der Abgasanlagen. Bis 1966 wurden alle Kohlekessel angeschlossen und die alten Stahlschornsteine zurückgebaut. In den 1970er Jahren folgten weitere Anpassungen und eine umfassende Modernisierung zwischen 1974 und 1987, die einen prägenden Einfluss auf das Stadtbild hatte und mit dem DDR-Architekturpreis ausgezeichnet wurde. Die erneuerte Anlage erreichte durch den Einsatz von Kraft‑Wärme‑Kopplung einen Brennstoffausnutzungsgrad von rund 90 Prozent.

1987 bis 2033

1987 Braunkohle

In den 1980er Jahren wurde das Kraftwerk zur Sicherung der Brennstoffversorgung auf Lausitzer Braunkohle umgestellt und das Kesselhaus B durch neue Rohbraunkohlekessel ersetzt. Förderbänder, Kohlebunker und Transporte über Schiene und Wasser bestimmten fortan den Betrieb, der durch hohen logistischen Aufwand sowie Staub, Lärm und kontinuierlichen Materialfluss geprägt war.

1990 Rauchgasentschwefelung

Die Nutzung der Braunkohle war mit hohen CO₂- und Schwefeldioxid-Emissionen verbunden; daher kam eine Rauchgasentschwefelung zum Einsatz, die als Teil der Abgasreinigung den Weiterbetrieb unter strengeren Umweltstandards ermöglichte und die Schadstoffemissionen deutlich reduzierte.

2017 Braunkohleausstieg

Am 24. Mai 2017 endete die Braunkohlenutzung am Standort und damit auch in ganz Berlin – drei Jahre früher als geplant. Möglich machte dies die Modernisierung der gasbefeuerten Kessel, wodurch der Betrieb nahtlos mit Erdgas weitergeführt, die CO₂-Emissionen deutlich gesenkt und die Energieversorgung langfristig gesichert werden konnte.

2022 bis 2024 Der Standort bekommt ein neues Gesicht

Der Abriss eines der beiden Stahlbetonschornsteine im März 2023 markierte eine wichtige und sichtbare Wegmarke am Standort. Seit Ende 2022 wird die ehemalige Braunkohleanlage schrittweise zurückgebaut, einschließlich Gebäuden, Kesselhaus und Infrastruktur. Der Rückbau mit Schadstoffsanierung und Demontage zentraler Anlagenteile läuft bis Mitte 2026, weitere Vorbereitungen bis 2027. Insgesamt werden rund 10.200 Tonnen Material bewegt, um Flächen für zukünftige Projekte zu schaffen.

Bis 2033 Energiepark Klingenberg

Bis 2033 entsteht in Klingenberg ein Energiepark mit neuen Erzeugungsanlagen. Das Anlagenkonzept kombiniert eine neue Kraft-Wärme-Kopplungsanlage auf Basis von Ersatzbrennstoffen mit einer Power-to-Heat-Anlage, wasserstofffähigen Gas-Heißwassererzeugern und perspektivisch der Nutzung von Abwärme aus einem Rechenzentrum mittels Großwärmepumpen.

Einblicke abseits des Betriebs: Klingenberg ist mehr als nur ein Kraftwerksstandort

Die Geschichte des HKW Klingenberg wurde nicht nur von Entwicklungen im Rahmen der Energieerzeugung geprägt. Rund um den Standort ereigneten sich über die Jahre viele besondere, erzählenswerte Geschichten abseits des regulären Betriebs.

Flussbad mit Kraftwerksabwärme

In den 1920er Jahren wurde mit dem warmen Kühlwasser des Kraftwerks das „Städtische Flußbad Lichtenberg“ beheizt, das täglich von bis zu 10.000 Gästen besucht wurde.

Das Gelände als Drehort

Wiederholt wurde das Gelände für Filmaufnahmen genutzt. Es fanden Videoproduktionen für die Filme „Retribution“ mit Liam Neeson, „Tribute von Panem – Sunrise of the Reaping“, die Serie „Tatort“ und für einen BMW-Werbespot statt. Die Berliner Band „Von Wegen Lisbeth“ drehte zudem auf dem Areal ein Musikvideo.

Gewächshäuser am Standort

Abwärme wurde Ende der 1920er Jahre zum Beheizen von Gewächshäusern genutzt, was den ganzjährigen Anbau von Gemüse – wie Gurken und Auberginen – sowie von Zierpflanzen ermöglichte.

Kultur und besonderer Standortalltag

Auf dem Gelände wurden Hundestaffeln trainiert, Bienen beherbergt und Schafe als Rasenmäher eingesetzt. Es bestehen enge Kontakte und gemeinsame Projekte mit den Künstler:innen der Gaswerksiedlung: In ehemaligen Kraftwerkerwohnungen musizieren Bands, und renommierte Künstler stellen ihre Exponate aus. Wo früher Ersatzteile für das Kraftwerk lagerten, bespielt seit 2025 das Lichtkunstmuseum DARK MATTER eine historische Stahlträgerhalle.

Ort gesellschaftlicher Debatten

Der Standort war wiederholt Schauplatz von Protesten, die auf die Klimawirkung der Kohlenutzung aufmerksam machten und den Wandel hin zu Klimaschutz und Energiewende spiegelten.

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